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Thematisiert: Aktuelles in Medien - Diakon Gerhard SULZ

Eine Kirche ohne Gläubige, Messfeierlichkeiten vor leeren Bänken: Das war die Realität zu den diesjährigen Osterfeierlichkeiten. Nur wenige waren bei den Messen von Kardinal Christoph Schönborn im Stephansdom dabei. Diakon Gerhard Sulz, 2016 von Kardinal Christoph Schönborn geweiht, seit 1999/2000 Sänger und Leiter des Chores Einklang Hollabrunn und seit 2012 auch dessen Obmann sowie von Beruf Generalmajor im Bundesministerium für Inneres, war einer von ihnen.


Im Interview schildert der Diakon und Zögling des erzbischöflichen Knabenseminars Hollabrunn, der 1969 seinen ersten Auftritt im Motettenchor unter Musikschulgründer Walter Lehner hatte, wie er dieses einzigartige Osterfest erlebt hat und wie viel Hoffnung und Zuversicht er daraus schöpft.

Welche Erwartungen hatten Sie an die heurigen Osterfeierlichkeiten?

Gerhard Sulz:

Aufgrund der Pandemie waren meine persönlichen Erwartungen gedämpft. Als ich aber im Zuge der Verhandlungen der Österreichischen Bischofskonferenz mit dem ORF gebeten wurde, in den Fernsehübertragungen als Diakon, Kantor und Sänger mitzuwirken, war dieser Gedanke in der intensiven Vorbereitung und in der Karwoche selbst beiseitegeschoben.


Gewann oder verlor für Sie das Osterfest durch die ungewöhnlichen Umstände an Bedeutung?

Gerhard Sulz:

Für mich hat das Osterfest heuer an Bedeutung gewonnen, weil es heilsam sein kann, dass der Mensch auf sein Leben zurückgeworfen worden ist. Die Pandemie kann den Menschen die drückende Leere eines Karsamstags eröffnen, eines Tages, an dem die Jünger Jesu verzweifelt und schockiert waren. Wir sind nun ungeplant und unverschuldet in eine Situation geraten, die uns zunächst auch in einen Schock versetzt hat, vielen Mitmenschen eine Krise bescherte, und wo wir brutal zur Kenntnis nehmen müssen, was die für unser Leben bedeutet. Corona hat uns sehr deutlich die Endlichkeit unseres Lebens vor Augen geführt. Viele unserer Planungen wurden über den Haufen geworfen, wir werden nun mitgeplant mit der Realität, in der über uns verfügt wird. Wir haben die Zukunft nicht in der Hand! Solidarität, Gemeinschaft, Familie, Helfen – das sind Begriffe, die jetzt in aller Munde sind und die völlig dem christlichen Glauben entsprechen. Dazu müssen wir nicht autoritätsgläubig nach oben schauen oder verächtlich nach unten, sondern nur um uns herum, auf den Nächsten eben. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, sagte Jesus. Diese Sichtweise war doch ein wenig aus dem Blickfeld geraten. Für die Zeit danach, nach unserem Karsamstag 2020, könnte sich das als gesellschaftlich positiv erweisen, als eine Art Auferstehung; insofern hat das Osterfest an Bedeutung gewonnen. Wir haben in der Entschleunigung des Lebens hoffentlich erkannt, dass das tägliche Leben neu eingeübt werden muss. „Askein“ heißt im Altgriechischen „üben“. Üben wir täglich ein paar Minuten Reflexion, denken wir nach, suchen wir nach den tieferen Gründen des Lebens: Was ist Leben, wie gelingt Leben beziehungsweise, wie gelingt mir mein Leben. Wenn wir erkennen, dass wir Lebende erlösungsbedürftig und nicht unabhängig sind, ist das der Beginn eines (neuen) Glaubens.


Inwieweit kann sakrale Musik in der gegenwärtigen Situation Trost spenden?

Gerhard Sulz:

Musik ist so etwas wie ein „praeludium vitae aeternae“, ein Vorspiel des ewigen Lebens, so besagt es eine Inschrift auf dem Gehäuse einer Orgel in Skandinavien. Sakrale Musik war von Jugend auf ein wichtiger Bezugspunkt in meinem Glauben zu Gott, die mir vor allem in ernsthaften Lebenskrisen helfen konnte. Viele Kompositionen lassen uns empfänglich werden für das ungeheure Geheimnis eines Gottes, der trotz der Wirklichkeit des menschlichen Todes immer wieder eine Perspektive für ein „Leben in Fülle“ aufzeigt. Gerade Musik ist imstande, menschliche und auch übermenschliche Gefühle wunderbar zum Ausdruck zu bringen. Für mich ist sakrale Musik ein Vorgeschmack auf das Himmlische. Musik, Töne sind so unsichtbar wie Gott selbst. Ich kann Töne und Musik aber mit Sinnen wahrnehmen. Auch Gott. In der Musik. Vor allem in der Stille. Was kann mehr Trost spenden?


Wie können Sie die Erfahrung beschreiben, in einem leeren Stephansdom Ostern zu feiern?

Gerhard Sulz:

Jetzt, nach all den Liturgien im Dom zu St. Stephan und nach zahlreichen Rückmeldungen, darf ich unverblümt sagen, dass zwar der Dom optisch leer gewesen sein mag, dass aber alle im Dom Feiernden ein sehr starkes Band der Verbundenheit während der Feier untereinander, aber auch mit den vor den Bildschirmen Mitfeiernden verspürten. Eines ist gewiss, mit den Übertragungen wurden Leute erreicht und angesprochen, die keine regelmäßigen Gottesdienstbesucher sind. Mit diesen Suchenden sollten die kirchlichen Institutionen in einen Austausch geraten, die sich in diesem Zusammenhang auch Gedanken über den Einsatz Neuer Medien machen müssen. Denn Jesus hat zumeist nicht in der Synagoge gepredigt, sondern er war unterwegs mit und zu den Leuten. Also ein einzigartiges Ostern, aber hoffentlich einmalig. Denn ein voller Dom, eine gefüllte Kirche als Gemeinschaftserlebnis, kann durch nichts ersetzt werden.


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