Anpfiff - für die Seele
- CPV Vorarlberg

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Anpfiff - für die Seele
Welche Fußballfans haben nicht schon mal gedacht, gesagt oder laut geschrien: „Mensch, gib doch ab!“? Der Spieler rennt alleine aufs Tor und möchte es alleine schaffen. Manchmal klappt es aber meistens scheitert der Spieler. Denn, Fußball ist ein Mannschaftsspiel und abgeben gehört zu einem erfolgreichen Spiel dazu.
„Mensch, gib doch ab!“ trifft aber auch in unserem Alltag zu – daheim, bei der Familie, bei der Arbeit, im Verein oder auch in der Pfarre. Immer dann, wenn Menschen miteinander zu tun haben. Wie schön ist es doch, wenn man im Tun, im Arbeiten und Handeln andere miteinbeziehen kann. Ich habe meinen Teil erledigt und kann es dann weitergeben.
Manchmal ist aber genau das, das Schwierige. Ich mache es doch lieber alleine und möchte selber das Spiel bestimmen. Ich befürchte, der andere erledigt es nicht so, wie ich es möchte und deshalb mache ich es lieber selber, anstatt abzugeben. Das geht vermutlich eine Weile gut – alles aus eigener Kraft zu schaffen, aber irgendwann muss ich meine Strategie ändern, andere miteinbeziehen und anderen vertrauen.
Der Satz „Mensch, gib doch ab“ gilt aber auch für das Zusammenspiel Gott und Mensch. Ich glaube, Gott denkt sich manchmal „Mensch, gib doch ab“, wenn er sieht, wie wir durchs Leben hetzen, an Grenzen kommen und mit den Herausforderungen des Lebens kämpfen und übersehen, dass er auch da wäre, um uns zu helfen.
„Wirf deine Anliegen auf den Herrn und er wird für dich sorgen“ (vgl. Psalm 55). Gott möchte, dass wir ihm alles bringen. Das was uns freut, uns glücklich macht und das, was unser Herz schwer macht. Egal, wie groß oder klein unsere Sorgen sind, er möchte, dass wir sie ihm geben. Gott hat ein offenes Ohr für unsere Sorgen. Wenn wir müde, erschöpft sind und keine Kraft mehr haben, möchte er uns helfen, uns stärken. Wenn wir unsere Anliegen ihm bringen, können wir gestärkt weiterspielen.
Ich wünsche uns allen, dass wir Gott nicht übersehen, nicht vergessen und dass wir den Mut und das Vertrauen haben, Gott auch wirklich alles abzugeben. Und dass wir nicht überhören, wenn er zu uns sagt, flüstert und ins Herz legt: „Mensch, abgeben. Gib doch ab“.
Anpfiff für die Seele, so lautet der Titel dieses Morgenimpulses. Der Anpfiff ist immer ein ganz besonderer Moment. Die Spieler sind auf dem Platz, das Adrenalin steigt und manch einer denkt sich vielleicht. „Wie stark wird der Gegner sein? Was passiert in den nächsten 90 Minuten? Bin ich gut genug vorbereitet? Wie fair wird der Schiedsrichter wohl sein?“ Spannung aber auch gleichzeitig eine Hoffnung, ist in den Spieler spürbar. „Noch ist alles möglich. Ein Sieg ist möglich oder sogar ein Wunder. Wir könnten Geschichte schreiben, wenn alles gut geht!“
Diese Spannung und Hoffnung auszuhalten, ist sicher eine Herausforderung. Aber diese kennen wir doch auch aus unserem Leben. Die Spannung auszuhalten zwischen Herausforderungen, die das Leben mit sich bringt und die Hoffnung und das Vertrauen, dass alles gut wird.
Anpfiff für die Seele könnte auch heißen: ein Weckruf Gottes an uns, auf seine Stimme zu hören. Mir geht es so, dass ich manchmal so einen Anpfiff oder Weckruf Gottes brauche. Dass ich mir Zeit nehme zu überlegen:
Höre ich Gott überhaupt? Nehme ich mir Zeit für ihn? Hat Gott Platz in meinem Alltag, in meinem Leben, in meinem Spiel? Lass ich mich auf Gott ein? Lass ich ihn mitspielen oder ist er in meinem Leben nur Zuseher auf der Tribüne? Was würde Gott zu mir sagen, wenn er für mich eine Kabinenansprache für mein Spiel halten würde?
Anpfiff für die Seele oder auch gedacht als Anstoß für eine Zukunft mit Gott - ein Leben voll Hoffnung, Zuversicht, Dankbarkeit und Lebensfreude. Denn Gott möchte uns ein Leben in Fülle schenken, jeden einzelnen Tag. Manchmal vergessen wir jedoch, dass wir schon längst auf seinem Spielfeld stehen.
Morgenimpuls von
Mag. Gloria Vetter
Seelsorgeraum Lustenau
Quelle: „Mehr als 90 Minuten; Porträts, Storys und Denkanstöße zur Fußball-WM 2026“ von Harald Orth und Andreas Scheuermann (Hrsg.); 2026 Brunnen Verlag GmBH

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