Unterbrechung - Wirken und Unterbrechung gehören zusammen

06.07.2019

UNTERBRECHUNG - Wirken und Unterbrechung gehören zusammen

 

Die Pause ist eine willkommene – bisweilen sogar ersehnte – Unterbrechung; ein „Zeitfenster“, um zu sich selbst zu kommen; ein Lichtblick in der Phase der Anstrengung. Jede Kultur entwickelt ihre eigenen Vorstellungen und Rituale für diese Auszeit. Und die

Erwartungen und Vorstellungen von Pausen verändern sich immer wieder. Pausen, Unterbrechungen, Auszeiten sind heilig – in allen Religionen haben sie einen zentralen Stellenwert. Die Zeit der Arbeit und des Wirkens und die Zeit der Ruhe und Unterbrechung

gehören untrennbar zusammen.

 

Unterbrechung, Pause, Ruhe, Entspannung kein Mittel zum Zweck

In einer leistungsorientierten Gesellschaft besteht die Gefahr, die Pausen und Ruhephasen – die notwendigen und sinnvollen Unterbrechungen – als Leistungsausfall zu verstehen und deshalb zu vermeiden; oder sie dazu zu missbrauchen, dass sich Menschen gezielt und optimal erholen, damit sie in der darauffolgenden Arbeitsphase optimale oder jedenfalls

verbesserte Leistungen erbringen. Die Unterbrechung, Pause, Ruhe, Entspannung ist kein Mittel zum Zweck; sie ist im Gegenteil ein selbstverständlicher Teil des Weges, des Lebens, des Alltags. Die ganze Schöpfung kennt und braucht diese Abfolge einer Zeit des Wirkens und der Ruhe.

 

Unterbrechung, Ruhe, Pause schafft Neues

Pausen sind lebensnotwendige Oasen des Alltags und Lebens. Nach der Heiligen Schrift sind Gott, Mensch und Tier in den Rhythmus von Arbeit und Pause eingebunden. Im lateinischen Wort für Erholung – recreatio, auf Deutsch Neuschöpfung – entdecken wir den Sinn und die Bedeutung jeder Unterbrechung, Ruhe, Pause: sie schafft Neues; ein neues Bewusstsein, eine neue Klarheit, eine neue Energie, eine neue Ausrichtung; auch neue bzw. erneuerte Beziehungen,

 

… Solche Oasen des Alltags, Zeiten des Aufatmens, der Neuschöpfung braucht alles, was lebt und lebendig ist.

 

Sich neue Frische schenken

Der Geigenbauer Martin Schleske hat ein Buch geschrieben. Darin schildert er eindrücklich, dass es für den Geigenbauer wichtig ist, das Werkzeug zu schärfen, wenn es stumpf geworden ist. Gerade dann, wenn ein Mensch am Ende seiner Kräfte ist, sollte er nicht sagen: es reicht schon noch, sondern sich neue Frische schenken (lassen). Denn in einem

abgestumpften Zustand entfremdet sich der Mensch vom Leben und mit dem abgestumpften Herzen kann der Mensch nicht lieben. Wenn unser Herz durch Enttäuschung, Resignation, Bitterkeit und Sorgen abgestumpft ist, ermüdet unsere Seele und wir schleppen uns von Tag zu Tag, manchmal sogar von Stunde zu Stunde. Wir verlieren das (Mit)Gefühl, werden nachlässig und nehmen die Chance des Augenblicks nicht mehr wahr; ja wir verlieren die Lebensfreude und beginnen andere zu verletzen, wie ein unscharfes Messer das Holz verletzt. Deshalb ist es immer wieder wichtig, das Leben zu unterbrechen. Dann kann sich

unser verwahrlostes Herz reinigen und in eine hörende Stille eintreten.

 

Sabbat beziehungsweise Sonntag

Die Befreiungsaktion der semitischen Stämme aus Ägypten wurde von Gott dadurch vollendet, dass ER sie in ihr Land führte; in jenes Land, dem ER den Ehrennamen „die Ruhe“ gab (Dtn 12,9). Und damit gab er seinem Volk auch den Rhythmus der sechs

Werk-Tage und eines siebten Tags der Ruhe und Unterbrechung. Durch die Feier des Sabbats unterschied sich Israel von den anderen Völkern; denn die Mesopotamier kannten zwar viele Feste und Tabu-Tage, aber keine rhythmische Arbeits-Ruhe, wie sie der Sabbat darstellte. Die Feier des Sabbats bei den Juden und des Sonntags bei den Christen gibt, nach allem kreativen Schaffen der sechs Werk-Tage, „Raum und Luft“ zum Atmen und Ruhen, zur Lebensfreude und zum Mensch-Sein nach dem Bild Gottes. Sie garantiert und sichert allen Menschen den Schutz ihrer Freiheit, Freude, Würde, Menschlichkeit, Lebensqualität, Achtsamkeit, Dankbarkeit und ihres Mitgefühls. Ich wünsche dir und mir, dass wir uns eine Pause, Ruhe, Unterbrechung auch wirklich gönnen; sei es „zwischen durch“, als Feierabend, als Sonntag, als Urlaub, als Auszeit, …

 

Mag Willi Schwärzler, Pfarrer in Höchst/Vlbg

 

 

 

Wir wünschen einen

tollen und erholsamen

Urlaub!

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