Fasching und Christ - geht das?

17.02.2019

Wir steuern landauf landab auf den Höhepunkt des närrischen Treibens zu. Deshalb ist es Zeit, das Thema Fastnacht genauer anzusehen.

 

Woher kommt überhaupt die Fastnacht, hat sie gar christliche Wurzeln, hat sie etwas auf einer kirchlichen Webseite verloren? Und wenn – gehört die "fünfte Jahreszeit“ nun eher zu den katholischen Bräuchen oder zu jenen der evangelischen Kirche?

 

Doch, die Wurzeln der närrischen Zeit finden sich im Christentum. Die  "Fast-Nacht" (die Nacht bzw. letzten Nächte vor der Fastenzeit), sowie "Karne-Val" (vom Lateinischen Carnem levare – Fleisch wegnehmen) deuten auf den engen Zusammenhang mit der vierzigtägigen Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt, hin. Mit den uns bekannten Bräuchen in der „fünften Jahreszeit“ feierte und feiert man ausgelassen die Zeit vor der Fastenzeit.

 

Die ersten Hinweise über Fastnachtsfeiern stammen aus dem 12. bzw 13. Jahrhundert. Bevor in der nachfolgenden Fastenzeit vierzig Tage lang nicht nur dem Fleisch, sondern allgemein Fett und Milchprodukten bis hin zur Sexualität entsagt wurde, herrschte eine Zeit der Völlerei, der Maßlosigkeit, der derben Scherze und der sexuellen Ausschweifungen. Einer Berufsgruppe, die offensichtlich am meisten unter den Regeln des Fasten zu leiden hatte, nämlich den Metzgern, wurde im Fasching besondere Aufmerksamkeit geschenkt. So ließen die Metzger in ihrem Tanz zum letzten Mal vor dem Aschermittwoch "die Sau raus".

 

Verhältnis der Kirchen zum närrischen Treiben:

 

Der offiziellen Kirche zur damaligen Zeit im Spätmittelalter waren diese "tollen Tage"  sehr wohl ein Dorn im Auge. Man sah in der Völlerei, den besonderen Wettkämpfen und Spielen, den maßlosen Besäufnissen, den obszönen Darbietungen und in den sexuellen Ausschweifungen geradezu eine "civitas diaboli", eine Gegenwelt zum Paradies, die Hingabe an die Welt und nicht zu Gott. So ist es nicht verwunderlich, dass bei Predigten gegen das allgemeine Treiben gewettert wurde.

 

Später, nach der stattgefundenen Reformation, zeigte sich, dass die evangelische Kirche eine größere Distanz zum Fasching zeigte als schlussendlich die katholische. Die Reformatoren verboten die Ausschweifungen des Karnevals und seine derben Scherze gänzlich, während die katholische Kirche sich mit dem närrischen Treiben abfand und versuchte, die Fastnacht ins Kirchenjahr zu integrieren, nicht zuletzt deshalb, weil man in den Faschingstagen eine Möglichkeit sah, dem Volk die anschließende Fastenzeit erträglicher zu machen.

 

Verstanden die Reformatoren keinen Humor?

 

Keinesfalls -  so sah Martin Luther das Lachen als ein Zeichen göttlicher Gnade und als Gegenmittel gegen den Teufel. "Verlacht den Feind und sucht Euch jemand, mit dem Ihr plaudern könnt... oder trinkt mehr, oder scherzt, treibt Kurzweil oder sonst etwas Heiteres. Man muss bisweilen mehr trinken, spielen, Kurzweil treiben und dabei sogar irgendeine Sünde riskieren, um dem Teufel Abscheu und Verachtung zu zeigen, damit wir ihm ja keine Gelegenheit geben, uns aus Kleinigkeiten eine Gewissenssache zu machen…" lautet dem Vernehmen nach eine von Luthers Tischreden. Seine Reden dieser Art waren voll von derben Scherzen und Humor. Er war auch nicht gutem Essen und Trinken abgeneigt.


Der Grund, weshalb Reformatoren den Fasching verboten, lag einerseits darin, weil die derben Späße im Mittelalter oftmals entsprechend ausarteten  und andererseits befürchteten sie, die Menschen könnten auf Dauer der Zügellosigkeit verfallen.......

 

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