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Wertschätzung

Aktualisiert: 26. Dez 2020

Wertschätzung


Vorbemerkung:

Das Prinzip „höher, schneller, weiter“ ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wichtiger geworden. Es durchzieht viele Lebensbereiche und kann dazu führen, dass man sehr schnell den Nächsten und die Menschen um einen herum aus den Augen verliert. Schließlich gerät immer mehr in Vergessenheit, dass wir gemeinsam unterwegs sind und mit anderen Menschen in einem Land, in einer Straße, auf einem gemeinsamen Planeten zusammenleben. Wenn wir einander respektieren, den Nächsten lieben, den Anderen vermehrt in den Blick nehmen, einander auf Augenhöhe begegnen, dann ist der Alltag, der Beruf und das Privatleben viel angenehmer und auch erfolgreicher.

Anerkennung, Dankbarkeit, Wertschätzung

In unserer Alltagsprache vermischen wir oft diese drei Haltungen und sagen dann z.B.: Mir fehlt die Anerkennung, meinen aber die Wertschätzung oder die Dankbarkeit. Anerkennung ist meistens eine kurzfristige Angelegenheit. Weil wir etwas geleistet oder ein bestimmtes Verhalten gezeigt haben, bekommen wir dafür ein Lob. Wenn wir dagegen über längere Zeit sehr verlässlich etwas zeigen, sei es eine gute Leistung, ein bestimmtes Verhalten (Ehrlichkeit, Fairness, Verlässlichkeit, Loyalität, Solidarität, Pünktlichkeit, …), dann hat das mit Wertschätzung zu tun, die uns in der Folge entgegengebracht wird. Die Anerkennung und die Dankbarkeit können eingefordert werden. Das funktioniert bei der Wertschätzung aber nicht. Sie kommt von anderen Menschen oder eben nicht.

Grundlegender Respekt

Es gibt eine allgemeine Wertschätzung, die nicht vom Verhalten oder von der Leistung abhängt, die einen grundlegenden Respekt vor den Menschen darstellt, einfach deshalb, weil sie Mitmenschen sind. Der Wunsch nach grundlegendem Respekt, nach Wertschätzung und genauso die Fähigkeit, andere zu respektieren, wertzuschätzen, sind in jedem Menschen angelegt. In dem Moment, wo wir Respekt, Wertschätzung erfahren, fühlen wir uns gesehen; und das ist etwas, was wir alle ganz dringend brauchen: dass man uns wahrnimmt, dass man uns schätzt. Respekt, Wertschätzung hat die Kraft, etwas zu verwandeln, die Verbindung zu anderen Menschen herzustellen, uns glücklich zu machen. Eine solche Wertschätzung, Annahme durch Gott ist uns im Evangelium zugesagt – und zwar voraussetzungslos und bedingungslos.

Selbstbild

Über unsere Wortwahl, Gestik und Körpersprache vermitteln wir unserem Gegenüber, was wir von uns selbst halten. Wenn wir uns also selbst nicht wertschätzen, weil uns das nötige Selbstvertrauen fehlt, dann werden wir vom Gegenüber auch keine Wertschätzung und Anerkennung bekommen. Es ist dann ganz wichtig, zuerst einmal am eigenen Selbstbild zu arbeiten, das eigene Selbstvertrauen aufzubauen, sodass man sich selbst anerkennt und wertschätzt. Dann wächst auch die Chance, dass man von den Anderen wertgeschätzt wird.

Glückshormone

Wenn wir Wertschätzung erleben, schüttet unser Gehirn Glückshormone aus. Hirnforscher haben bewiesen, was Psychologen schon lange wissen: der Mensch braucht vor allem und zuerst einmal Liebe, Anerkennung und Wertschätzung, um sich entfalten zu können. Wenn das Bedürfnis nach Wertschätzung nicht befriedigt wird, dann entsteht Unruhe im Gehirn. Und mit dieser Unruhe ist es schwierig, sich zu konzentrieren, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und kreativ zu sein. Zu wenig Wertschätzung kann sogar körperlich krank machen. Wenn wir uns anstrengen, wenn wir etwas leisten und versuchen, als Menschen lebens- und gemeinschaftsfördernd zu leben, und es kommt nie eine Resonanz, dann kann uns das krank machen; weil uns etwas Elementares fehlt, das wir für unsere Seele und unseren Geist nötig haben.

Stärke empfinden

An beziehungsweise in jedem Menschen gibt es etwas Besonderes, das ihn auszeichnet. Genau das anzusprechen tut beiden gut; dem, der ein Lob ausspricht, und dem, der ein Lob bekommt.. Denn: In dem Augenblick, in dem ich einem anderen ein Lob ausspreche, eine Wertschätzung zeige und jemanden ganz grundsätzlich oder speziell seine Leistung und sein Verhalten anerkenne, jemandem dankbar bin, empfinde ich selbst eine Stärke und werde ich auch stärker. Außerdem kommt immer etwas zurück, werde ich beschenkt oder mit einer positiven Reaktion überrascht, wenn ich im Alltag auf meine Mitmenschen achte, ihnen mit Liebe begegne, sie anlächle, sie wahrnehme, …

Dass wir Wertschätzung erfahren, nicht nur als Feedback auf eine Leistung, einen Erfolg, sondern als ehrliches Interesse an uns und an dem, was wir sind und tun – auch wie wir etwas tun – wünscht dir/euch Pfarrer Willi Schwärzler, Höchst, Vlbg




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